Warum auch der Minimalstaat keine Lösung ist:

Minarchismus: super Anfang, katastrophales Ende – Larken Rose

In diesem Video ein paar versöhnliche Worte von Larken Rose an alle Minarchisten und Minimalstaatler. Zusammenfassung: Der Minarchismus ist zwar als gedanklicher Einstieg in die Philosophie der Freiheit eine gute Sache. Aber als real umgesetztes Gesellschaftsmodell ist er genau die gleiche Katastrophe wie jede andere Spielart des Etatismus. Sind deshalb alle Minarchisten bzw. Minimalstaatler schlecht oder auf dem Holzweg? Nein, weder noch. Sie haben den ersten Schritt gemacht und sind auf dem richtigen Weg. Sie sollten nur nicht den Fehler machen, beim Minarchismus stehenzubleiben:

Hi hier ist Larken Rose, in letzter Zeit ging es in den Diskussionen und Kommentaren oft über ein Thema, zu dem ich noch kein Video gemacht habe. Also mach ich jetzt eins dazu. Diejenigen, die meine Sachen kennen, wissen, dass ich den Minarchismus kritisiere, also die Idee eines begrenzten Staat und die Idee, dass wir eine Regierung erschaffen können, die uns dient, die rechtmäßig ist und die uns nur beschützt. Und ich trample auf der Verfassung herum, was in die gleiche Richtung geht.

Viele Leute sagen: „Kannst du nicht ein wenig zurückhaltender sein, weil viele Leute mit dem Minarchismus anfangen und du kannst sie nicht einfach direkt mit einer Dampfwalze überfahren.“ Ich kann das nachempfinden, weil auch bei mir alles mit dem Minarchismus angefangen hat. Vor vielen vielen Jahren – so ungefähr vor 16 oder 17 Jahren war ich noch ein Minarchist und die Jahre davor habe ich an die Verfassung und an politischen Aktivismus geglaubt.

Ich habe gedacht: wenn nur die richtigen Leute an die Macht kommen, wenn ich dieses oder jenes wählen würde oder an meinen Kongressabgeordneten schreibe oder gegen etwas abstimmen würde – ich hab das Spiel mitgespielt und exakt gar nichts erreicht. Aber mir kam es so vor als ob das wichtig sei.

Ich kann also voll und ganz nachvollziehen, dass die Leute immer noch dieses Spiel mitspielen. Meine Nachricht an sie lautet nicht: „Ihr seid schlechte Menschen, ihr seid nutzlos, also verschwindet in eure Ecken und macht am besten gar nichts mehr!“ Meine Nachricht an sie lautet: „Das ist ein großartiger erster Schritt! Das ist ein unverzichtbarer erster Schritt! Kaum einer schafft es bis zur Freiheit, ohne den Minarchismus als ersten Schritt.“ Aber: Wenn ihr dort stehenbleibt, ist alles umsonst.

Und darum gehts: Wenn die Leute erst einmal verstehen, dass etwas nicht stimmt, dass die Regierung dieses mit uns nicht machen kann, also sie sollte das und das und das unterlassen und wir sind wütend wegen dem und dem und dem, dann ist das ein gutes Zeichen. Es ist ein Start in die Richtung: Wir sollten frei sein und sie dürfen uns das nicht antun.

Vor 800 Jahren zu Zeiten der Magna Charta fanden die Leute heraus, dass der König nicht alles tun können sollte, was er will. Es musste irgendeine Grenze für das was er „seinen Leuten“ und seinen Untertanen antut geben. Das war eine radikale Idee und dem Großteil der Menschheit wäre so etwas im Leben nicht eingefallen. „Naja, er ist der König und er macht, was er will und wir sind nur seine Diener.“

Also musste dieser erste Schritt unternommen werden. Dieser erste Schritt war zwar für sich gesehen ziemlich wenig, aber er musste sein, weil so den Menschen erst bewusst wurde, dass es möglicherweise Grenzen geben sollte. Er besitzt uns also nicht vollständig. Er besitzt uns nur so vielleicht… ganz wenig.

Der Schritt hin zur Verfassung und zum Minarchismus ist genau das. „Die Regierung darf nicht tun was sie will. Sie sollte beschränkt werden und sie sollte uns dienen und blablabla“, dieser ganze Kram, der überall verbreitet wird.

Ich möchte die Leute nicht niedermachen weil sie diesen ersten Schritt gewagt haben. Aber wenn es bei diesem Schritt bleibt, dann ist alles umsonst. Und das Merkwürdigste ist: Ich kenne viele Leute, die direkt zum Voluntarismus und zum Anarchismus gekommen sind, also die verstanden haben, dass es so etwas wie einen Staat nicht geben kann, dass er nichts Gutes sein kann. Eine begrenzte Regierung ist so etwas wie ein begrenzter Straßenräuber. „Wir wollen nur Straßenräuber, die unser Hab und Gut beschützen“. Also, Straßenräuber würden das niemals tun. Und wenn sie das tun würden, dann wären sie keine Straßenräuber.

Das gleiche mit der Regierung: Wenn sie uns „nur“ beschützen würde, dann würde sie keine Steuern eintreiben, keine Gesetze erlassen, keine Monopole erschaffen – die Regierung wäre einfach keine Regierung mehr. Also wenn ihr die Regierung so weit reduzieren wollt, dass sie keine Regierung mehr ist, dann ist das hervorragend. Aber so lange sie eine Regierung ist, ist sie eine Autorität – und die Leute, die in diese Richtung gehen… es kommt wirklich darauf an, ob sie stehenbleiben oder nicht.

Viele Leute sagen: „Du redest Ron Paul schlecht“ – Ich rede Ron Paul eigentlich nicht schlecht. Ich rede den politischen Prozess schlecht. Und mich hat es total von den Socken gehauen, als ich Dr. Pauls letzte Rede im Abgeordnetenhaus gehört habe. Zuletzt sagte er genau das über sich selbst, was ich schon Monate vorher über ihn gesagt habe. Ich bin mir sicher, dass ich einfach nur nicht wusste, dass er das schon lange so verstanden hatte: Ich empfehle euch, schaut es euch an, ich versuche es mal wiederzugeben, ich habe es lange nicht mehr gesehen… er sagte im Grunde: „Ich habe gar nichts erreicht. Die Gesetze wurden trotz meiner Einsprüche verabschiedet.“

Dr. Paul hat innerhalb des politischen Prozesses, also innerhalb des Systems, überhaupt nichts erreicht. Er hat sich gegen dieses ganze totalitäre Zeugs gestellt, aber er wurde einfach ignoriert und überstimmt. Aber er sagte etwas, was mich überrascht hat: „Der Staat ist keine Lösung. Ihr könnt das nicht durch den Staat in Ordnung bringen. Das was zählt, ist das, woran die Menschen glauben. Wenn die Menschen die Freiheit verstehen und sie auch wirklich wollen, dann führt das zu guten Ergebnissen und Staaten und Regierungen werden bedeutungslos.

Und bei anderen Gelegenheiten sagte er Dinge, die aus meiner Sicht Hinweise dafür sind, dass er ein verkappter Anarchist ist. Vielleicht nicht mal ein verkappter, weil er am Ende sagte, dass er Voluntarismus will, eine freiwillige Gesellschaft ohne Zwang, auch ohne Zwang durch den Staat. Und er sagte Sachen wie: „Wir können keine Rechte an andere delegieren, die wir selbst gar nicht haben.“

Das für sich gesehen schließt schon mal jede Regierung aus. Und er sagte: „Die Menschen in der Regierung haben keine anderen Rechte als wir. Auch sie sind nur Menschen.“

Aus meiner Sicht ist Dr. Paul ein Wunder. Jemand, der es so lange in Washington D.C. ausgehalten hat und nicht zu einem prinzipienlosen Monster geworden ist. Er spielt dieses Gesetzgebungsspiel weiter und versucht, irgendwas zu erreichen, aber er scheint vollständig verstanden zu haben, dass er nichts erreichen wird. Worauf es ankommt ist, dass diese ganzen Gedanken öffentlich werden.

Viele Leute sagen: „Dr. Paul ist derjenige, der mich dazu gebracht hat, über die Dinge nachzudenken.“ Das ist wunderbar! Das ist hervorragend! Er hat wahrscheinlich mehr Leute durch diesen ersten Schritt auf den Weg zum Anarchismus gebracht, als irgendwer anderes auf dieser Welt.

Es ist komisch, weil Ron Paul nicht sagt, dass er ein Anarchist ist. Er hat mal den Begriff „Voluntarist“ benutzt, aber ich habe noch nie gesehen, dass er sich selbst als solchen bezeichnet hat. Aber er hält sicher einiges von der Idee: „Was wäre wenn wir keine Regierung hätten, die auf uns herumtrampelt?“

Ja, er hat viele viele Menschen dazu gebracht, nachzudenken. Dieser erste Schritt muss einfach irgendwie passieren. Es ist merkwürdig, ich kenne einige Sozialisten, die ein paar Sachen gelesen haben und wir haben ein paar Tage oder eine Woche miteinander verbracht und sie machten einen Durchmarsch vom etatistischen Sozialist bis hin zum Anarchokapitalisten, also in einem Rutsch.

Aber andererseits kenne ich viele viele Leute, die sagen: „Ich will eine kleine Regierung. Nur die Verfassung. Minarchist. Ich bin ein Minarchist. Ich will nur ganz wenig davon.“ Was soll das bedeuten? Minimum? Was ist das Minimum? Ich finde, das Minimum ist Null. Warum funktioniert das nicht als Minimum für euch?

Dieses diffuse: „Wir wollen nicht so viel…“ Aber ich kenne viele viele Leute, die an diesem Punkt jahrelang steckengeblieben sind und einfach nicht über diese Schwelle springen. Sie können in ihrem eigenen Kopf den Glauben an eine Autorität und an den Staat nicht überwinden. Sie sagen: „Nein, wir müssen einen Staat haben, damit wir beschützt werden, wir müssen irgendwie beschützt werden! Das ist alles, was er tun soll: uns beschützen.“

Und es ist vollkommen egal, dass es noch nie in der Weltgeschichte irgendwo auf der Welt einen Staat gab, der ausschließlich die Menschen beschützt hat. In der Geschichte der Menschheit ist das noch nie passiert und es gibt immer noch einen Haufen Leute, die sagen: „Wir brauchen den Staat, damit er das tut.“

Okay, also wir brauchen einen Staat, der etwas tut, was er noch nie in der Weltgeschichte getan hat – zu allen Zeiten und in allen Varianten und Spielarten, Monarchie, Demokratie, Republik, blablablablabla… der Staat war nie ein reiner Beschützer. Das erste, was eine Regierung sagt, ist: „Wir haben das Recht, euch euer Geld zu stehlen. Wir nennen es „Besteuerung“.“ Jede Regierung macht das so.

Und wenn die Leute hier sagen: „Lasst uns zurückkehren zur Verfassung.“ – Sollen wir etwas wiederholen, was schon beim ersten mal total versagt hat? „Na dieses mal machen wir es richtig!“ Es hat zu dem geführt, was wir heute haben. Wieso sollte das dann anders sein? „Naja, ist egal…“ und außerdem vergessen sie, dass abgesehen davon keine Chance besteht, zu dem zurückzukehren, was die Verfassung einmal war. Es ist sinnlos, dahin zurückzukehren. Es hat das hier ausgelöst.

Warum lernen wir nicht aus unseren Fehlern lernen und sagen stattdessen: „Versuchen wir es nochmal und machen unsere Fehler nochmal, vielleicht klappt es diesmal aus irgendwelchen wundersamen Gründen“? Deshalb halte ich nichts von der Verfassung und vom Minarchismus. Sie können nicht zu Freiheit führen.

Sich einen „netten“ Herrscher zu wünschen, kann nicht zu Freiheit führen, weil du nicht mal akzeptiert hast, dass du in deinem eigenen Kopf frei bist. Wenn du wirklich denkst, dass du dazu verpflichtet bist, vor anderen auf die Knie zu fallen, nenne es meinetwegen „begrenzte Regierung“, oder „sie dürften uns nur auf bestimmte indirekte Wege besteuern und nur ganz bestimmte kleine Dinge regulieren und die lokalen Regierungen können andere kleine Dinge regulieren“ – wenn du weiter an so etwas glaubst, dann wirst du niemals frei sein, weil du fest daran glaubst, dass du das Eigentum von irgendwem anderen bist.

Also wenn ich den Minarchismus kritisiere, dann sage ich nicht: „Jeder, der daran glaubt, ist dumm und böse und sollte die Klappe halten und verschwinden!“ Ich sage: „Hervorragender erster Schritt! Aber wenn es bei diesem ersten Schritt bleibt, dann verliert ihr. Dann werdet ihr exakt gar nichts erreichen.“ Aber dieser erste Schritt muss geschehen.

Ich kenne ein paar wenige Leute, diesen Schritt übersprungen haben und direkt vom Totalitarismus zur Anarchie gekommen sind. Für alle anderen ist das ein notwendiger Schritt. Mich eingeschlossen, weil ich viele Jahre mit der Minarchismus- und Konstitutionalistensache verbracht habe.

Also ich sage nicht: „Macht nicht diesen ersten Schritt!“, ich sage stattdessen: „Macht diesen ersten Schritt, aber bleibt nicht dort stehen! Wenn ihr dort stehenbleibt, dann erreicht ihr gar nichts. Geht die ganze Logik und die ganzen Prinzipien durch, sprecht über Selbsteigentum und das Nichtaggressionsprinzip und über Freiheit. Wenn ihr diese Dinge durchdenkt, dann löst sich der Staat auf. Er kann einfach nicht rechtmäßig sein.“

So ist es mir ergangen. Das Buch „The Most Dangerous Superstition“ habe ich geschrieben, weil ich andere Menschen dabei unterstützen möchte, diesen bescheuerten, tollpatschigen und idiotischen Weg, der mich viele Jahre gekostet hat, besser und schneller zu bewältigen, als ich es geschafft habe. Ich möchte andere Menschen dabei unterstützen, leichter und schneller da durchzukommen. Und ich finde es großartig, dass mir viele Leute das bestätigt haben. Also ich bin auch diesen Weg gegangen. Ich sage nicht: „Wenn ihr an eine kleine Regierung glaubt, dann seid ihr böse, dann haltet die Klappe und verschwindet!“ Aber ihr müsst weitergehen!

Das Problem ist, dass die meisten Minarchisten gar keine Erfahrung damit haben, in die andere Richtung zu argumentieren. Ich meine, wenn ihr euch die Gesellschaft anschaut, dann habt ihr es hauptsächlich mit lauter kollektivistischen totalitären staatsverehrenden Holzköpfen zu tun. Und aus der minarchistischen Perspektive ist das einzige, was sie tun, zu sagen: „Die Regierung sollte dies nicht tun und jenes nicht tun und sie hat nicht das Recht das hier zu tun und das da geht sie auch nichts an“ – das ist es, worüber sie die ganze Zeit sprechen.

Dann kommt jemand und sagt: „Hey, was wäre wenn die Regierung gar nichts machen würde?“ Minarchisten sind nicht darauf vorbereitet, dagegen zu argumentieren. Sie sind unglaublich erfahren darin, zu begründen, was alles die Regierung nicht tun sollte, aber wenn jemand sagt: „Ich denke, eine Regierung ist zu überhaupt nichts zu gebrauchen“, dann sagen sie: „Naja, für irgendetwas brauchen wir sie schon.“ Das ist keine Richtung, in die sie es gewohnt sind, zu denken, weil sie die ganze Zeit über in die andere Richtung gegen Etatisten gekämpft haben, indem sie ständig die Dinge aufzählen, die eine Regierung nicht tun sollte. Es sollte keine opferlosen Verbrechen geben es sollte dies und das nicht geben usw.

Aber wenn ihr die Konzepte des Selbsteigentums und des Nichtaggressionsprinzips einmal durchdenkt – die Logik dieser Dinge schließt so etwas wie eine Regierung aus. Wenn ihr euch die ganze Rhetorik anschaut, zum Beispiel eine Regierung, die dem Volk „dient“, was lächerlich ist – sie beherrscht uns, also wie kann sie uns dienen? Das ergibt keinen Sinn.

Oder „repräsentative Regierung“ – sie nimmt sich Rechte heraus, die keiner von uns hat und irgendwie „repräsentiert“ sie uns. Und während sie uns „repräsentiert“, kommandiert sie uns herum und nimmt uns unser Geld weg. Diese ganzen Begriffe sind irgendwie merkwürdig und ergeben überhaupt keinen Sinn. Irgendwann fällt das in sich zusammen und ihr erkennt die Lüge dahinter, wenn ihr bei den Prinzipien bleibt.

Und ja, ich bin begeistert von der Tatsache, dass Ron Paul da draußen über wirkliche Prinzipien spricht und die Leute mit auf den richtigen Weg bringt. Ich denke, es ist die Aufgabe der Minarchisten und Konstitutionalisten, die Leute dazu zu bringen, den ersten Schritt zu tun und damit anzufangen, über die Sachen nachzudenken.

Aber es ist die Aufgabe von anderen, wie mir zum Beispiel, oder Stefan Molyneux und vielen anderen, den Leuten, die die ersten paar Schritte gegangen sind, am Laufen zu halten und sie zu unterstützen.

Mir ist es auch schwergefallen. Es hat mich viele Jahre gekostet, das zu akzeptieren, was vollkommen offensichtlich ist: Das ich mir selbst gehöre und dass ich keinerlei Verpflichtung dazu habe, mich irgendwelchen externen Autoritäten zu beugen, die über mir stehen sollen. Es ist so offensichtlich, dass ich heute denke: „Warum zum Teufel hat es mich so viele Jahre gekostet, das zu erkennen?“

Es hat Jahre gedauert, um herauszufinden, dass eins plus eins zwei ergibt. Es dauert so lange, weil wir gegen die Indoktrination ankämpfen. Ich verstehe die Leute vollkommen und ich kenne sehr viele Leute, die diesen Weg sehr viel schneller gegangen sind als ich es geschafft habe und einmal in der Minarchistenphase gewesen sind.

Ich kenne einen Haufen Leute, die noch bis vor ein paar Monaten in der Minarchistenphase gesteckt haben und den Minarchismus schließlich vollständig aufgegeben haben und verstanden haben, dass die Regierung und die Autorität reine Lügengeschichten sind und dass alles, worauf dieses ganze politische Denken aufbaut, geisteskrank ist – es ergibt von Anfang an überhaupt keinen Sinn.

Also ja, wenn ihr es bis zum Minarchismus geschafft habt, dann ist das großartig! Wenn ihr dort stehenbleibt, buuuh, dann habt ihr verloren. Geht weiter, konzentriert euch weiter auf die moralischen Prinzipien und auf die Logik, denkt weiter darüber nach, bis sich in euren Köpfen die Illusion vom Staat und der Regierung vollkommen auflöst und ihr versteht, woraus diese Welt wirklich besteht: Aus einen Stück Erde mit Milliarden von Menschen, die alle die gleichen Rechte haben.

Niemand hat das Recht, zu herrschen. Kein Gesetz kann irgendwem eine spezielle Macht geben. Egal ob sie Abzeichen tragen oder spezielle Kostüme, sie sind einfach nur Menschen mit keinen besonderen Rechten. Wenn sie aggressiv werden, dann haben wir das Recht, uns gegen sie zu verteidigen und dieses ganze Zeug, über das ich ständig rede.

Was ich damit sagen wollte: Wenn ihr dazu gekommen seid, anzuzweifeln, dass eine Regierung das Recht hat, alles zu tun, was ihr einfällt und wenn ihr denkt, irgendwie sollte das beschränkt werden, dann ist das gut! Macht weiter, denkt alles durch, bleibt bei den moralischen Prinzipien und solange ihr in euren eigenen Köpfen widerspruchsfrei bleibt, braucht ihr euch keine Sorgen machen, was dabei herauskommen wird.

Wenn ihr bei den Prinzipien wie dem Nichtaggressionsprinzip und dem Selbsteigentum bleibt und seht, dass ihr keine Rechte delegieren könnt, die ihr nicht habt, dann werdet ihr am Ende beim Anarchismus landen. Der erste Schritt muss sein, um da hinzukommen. Aber der zweite muss genauso sein. Und der dritte und vierte und fünfte auch. Wenn ihr irgendwo stehenbleibt und sagt: „Okay, bis hier hin und nicht weiter. Ich bleibe bei meinem Aberglauben an den Staat und die Regierung und ich werde das nicht weiter vertiefen“, dann werdet ihr verlieren und der Rest der Welt wird euch hinter sich lassen und es zum Voluntarismus schaffen.

So lange ihr weiter dazu bereit seid, die Dinge zu diskutieren und darüber nachzudenken – ausgezeichnet, das muss so sein! Wie mein Bruder sagt: Wenn sich etwas gar nicht erst in Bewegung setzt, dann wird es auch niemals irgendwo ankommen – irgendwie offensichtlich.

Also macht den ersten Schritt, dann den zweiten und bleibt nicht stehen. Bleibt nicht stehen, bevor ihr nicht Widerspruchsfreiheit in euren eigenen Köpfen erreicht habt. Und wenn ihr es geschafft habt, dann macht mit und tretet für wirkliche Freiheit ein, auch bekannt unter dem Begriff „staatenlose Gesellschaft“.

Larken Rose – Minarchism: Great Start, Horrible Finish

Politischer Aktivismus ist schlimmer als nutzlos

Hi, hier ist Larken Rose, „Warum es Hoffnung gibt“ – so sollte dieses Video eigentlich heißen und es geht tatsächlich um viele Dinge, die Hoffnung geben. Aber zuerst muss ich viele Leute erst mal beleidigen und beschimpfen. Es wird noch besser: Die Menschen, die ich beleidigen und beschimpfen werde, sind sehr gute Menschen, mit sehr guten Absichten, die sich stark für das einsetzen, woran sie glauben. Ich bin sicher, dass ich mir jetzt einen Haufen Freunde mache. Es gibt jemanden da draußen, wegen dem ich dieses Video heute mache – du weißt, wen ich meine …

Ich komme zum Punkt: Aktivismus führt meistens zu nichts. Tatsächlich ist Aktivismus schlimmer als einfach nur nutzlos. Er schadet sogar mehr, als zu nutzen. Nochmal: Ich unterscheide zwischen guten Absichten und guten Ergebnissen. Es gibt viele Dinge, die als Aktivismus bezeichnet werden, aber sie richten am Ende mehr Schaden an, als einfach nur gar nichts zu bewirken – ich meine nicht jeden Aktivismus, aber das meiste davon.

Ich spreche aus Erfahrung. Vor vielen Jahren habe ich selbst noch an den Etatismus geglaubt, ich war politisch aktiv, bin in den Wahlkampf gezogen und habe die Spiele mitgespielt, ich habe meinem Kongressabgeordneten geschrieben und habe viel gemacht, was mir heute peinlich ist. Ja, ich hab das auch gemacht und damals habe ich wirklich geglaubt, für das richtige zu kämpfen, gegen das Biest, und viele Jahre später habe ich gemerkt, dass ich das Biest nur weiter gefüttert habe.

Ich will hiermit andere nicht einfach nur beschimpfen, ich möchte nur nicht, dass die positive Energie der Menschen für etwas verschwendet wird, das schlimmere Auswirkungen hat, als gar nichts zu bewirken. Und ich wünschte, es hätte jemanden gegeben, der mich damals von meinen Illusionen befreit hätte oder der das zumindest versucht hätte und gesagt hätte: „Die Wahlen und Petitionen und dieser ganze Quatsch – das alles bewirkt überhaupt nichts. Schau dir die Geschichte der Protestler und Demonstranten und Wähler und politischen Kandidaten nur an. Was haben sie erreicht? So gut wie gar nichts. Es gibt Ausnahmen, aber die sind sehr selten. Die meisten haben gar nichts erreicht.

Die Mächtigen machen weiter ihr Ding und die Menschen protestieren dagegen, schreiben Petitionen und heulen herum und verschwenden unglaublich viel Zeit und Energie und Geld und erreichen damit so gut wie gar nichts.

Eine wirklich ernstgemeinte Frage an die Aktivisten: Glaubt ihr wirklich, dass ihr auch nur die leiseste Chance habt, das Spiel, das ihr spielt, zu gewinnen?

Schaut euch den Aktivismus an – nehmt als Beispiel die Proteste gegen den Krieg: Hundertausende, vielleicht Millionen gehen auf die Straße und rufen: „Wir sind gegen den Krieg! Wir finden Krieg abscheulich!“ – Wie lange machen die Leute das schon? So ziemlich schon … ewig.

Und gibt es immer noch Kriegshetze? – Ja.
Sterben immer noch unschuldige Menschen? – Ja.
Werden immer noch unschuldige Zivilisten am anderen Ende der Welt durch amerikanische Soldaten umgebracht? – Ja.
Wird das auch in Zukunft so sein, auch wenn die Leute protestieren? – Ja.

Wieviele Aktivisten gibt es da draußen, die glauben, dass sie nur noch einen einzigen Protest davon entfernt sind, dass die Regierung sagt: „Ja, ihr habt recht! Tut uns Leid, wir holen unsere Soldaten zurück.“?

Denkt ihr, dass ihr dieses Spiel gewinnen könnt und dass sich die Kontrollfreaks durch einen weiteren Protest in weise und ehrenvolle Leute verwandeln? Keine Chance.

Wenn ihr aber denkt, dass es trotz der Proteste für immer so weitergehen wird, also ihr beschwert euch – völlig zurecht – und es geht einfach so weiter – die Kriegsmaschinerie läuft weiter und fordert weitere unschuldige Opfer. Wenn ihr denkt, dass ihr nicht gewinnen könnt, warum macht ihr damit weiter?

Als ich politisch aktiv war, habe ich gedacht, dass es keine andere Wahl gibt. Das einzige, was ich tun konnte war, irgendjemand anderen zu wählen oder meinen Kongressabgeordneten anzurufen oder zu protestieren – das war alles, was mir eingefallen ist. Und das ist der Schlüssel!

Wenn die Leute an der Macht dich davon überzeugen können, dass die einzige zivilisierte Möglichkeit für dich darin besteht, zu betteln, Petitionen zu schreiben und herumzuheulen, dann hast du verloren. Wenn du denkst, dass das das die einzige Möglichkeit ist, dann wirst du überhaupt nichts erreichen. Deine Sklaventreiber lachen sich tot und du wirfst deine ganze Zeit, deine ganze Energie und dein Geld einfach für etwas weg, was nur zu einem einzigen Ergebnis führen wird: zu exakt gar nichts.

Ich will niemanden vor den Kopf stoßen. Nochmal: Ich will, dass Menschen mit guten Absichten auch etwas erreichen. Und durch Aktivismus lässt sich meistens überhaupt nichts erreichen. Nichts Positives, sondern im Gegenteil. Damals, als ich Aktivist war, habe ich auch noch nicht gemerkt, dass ich Öl in genau das Feuer gegossen habe, das ich eigentlich löschen wollte.

Das Problem bei den meisten Aktivisten ist, dass sie nicht wissen, was das Problem ist. Das Problem ist, dass sie das Problem nicht kennen.

Thoreau hat einmal gesagt: „Auf tausend, die an den Blättern des Bösen zupfen, kommt einer, der an der Wurzel hackt.“ Das ist absolut richtig und man kann auf der ganzen Welt und in der gesamten Geschichte sehen. Wir sehen Symptome des Problems überall – und dafür gibt es unzählige Beispiele. Egal ob es um die Kriege geht oder um Bradley Manning oder Snowden, der Krieg gegen die Drogen, die willkürlichen Durchsuchungen – das alles sind nur Symptome des Problems – und die Liste dieser Symptome ist unendlich lang. Es absolut richtig, wütend zu werden und zu sagen: „Wir müssen was dagegen tun.“

Das Problem ist nur, dass die meisten Aktivisten die Ursache nicht sehen. Sie sehen das Symptom und sagen: „Schau dir das schreckliche Symptom an!“ Und wer die Ursache nicht kennt, wird das Symptom nicht los. Wenn es einen großen Protest gäbe: „Lasst Bradley Manning frei!“ usw., denkt ihr – erst mal: denkt ihr, dass das jemals passieren wird? – wenn das so wäre, denkt ihr, dass ab dann die Regierung sagen würde: „Ja, wenn die Leute merken, dass wir bösartige Psychos sind, dann lassen wir es halt sein.“ – Kommt schon, das wird niemals passieren. Kein Protest, keine Wahl und keine Petition wird jemals dazu führen, dass das passiert. Ich hoffe, dass sogar die Aktivisten ehrlich genug zu sich selbst sind, um zuzugeben, dass das niemals passieren wird.

Also wenn ihr das Symptom behandelt, ohne zu wissen, was die Ursache ist, dann kommt da nichts Gutes dabei raus. Und wenn ihr die Ursache auch noch verstärkt, dann ist das schlimmer als „nicht gut“. Die meisten politischen Aktivisten verstärken das Problem, indem sie gegen die Symptome vorgehen wollen.

Sie sagen, dass sie zumindest rausgehen müssen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. Okay. Gibt es da irgendjemanden, dem noch nicht klar ist, dass die Regierung Schlechtes tut? Ich bin ziemlich sicher, dass das schon fast jeder kapiert hat. Die Einzelheiten darüber zu verbreiten und andere zu informieren, das ist gut, ich finde das gut, das ist erstrebenswert.

Aber gut, jetzt wissen viele, dass die Regierung aus bösartigen gewaltätigen Mördern besteht. Ihr macht darauf aufmerksam und was dann? Die Leute wissen es. Machmal wäre es besser, wenn sie es nicht wüssten. Dann wären sie in ihrer Rolle als Sklaven zumindest glücklicher.

Wenn es das Ziel ist, Bewusstsein zu schaffen und weiter nichts, dann führt das zu nichts. Diese Leute haben wirklich gute Absichten und ich hasse es, sie aus ihrem Traum aufzuwecken, aber ich höre dann immer wieder: „Das ist die letzte Chance, die Republik zu retten!“

Erst einmal: Nein! Die Republik war in der gleichen Sekunde, als die Verfassung geschrieben war, zum Scheitern verurteilt. Es gab eine autoritäre Herrschaftsklasse, theoretisch limitiert, aber zum Scheitern verurteilt. Und wenn ihr lest, was die Anti-Bundesstaatler geschrieben haben – sie wussten es. Sie sagten es perfekt vorher, sie haben es sogar unterschätzt, wie sehr alles zu einer Tyrannei verkommen wird, sie wussten es. Die Republik war eine Totgeburt.

Aber es heißt „das ist unsere letzte Chance, wenn wir dieses Ding nur verabschieden, wenn wir nur die richtige Person ins Amt wählen, dann können wir die Republik retten“.

Erstens: Nein, das können wir nicht. Zweitens: Nein, das sollten wir nicht. Zum Teufel mit der Republik. Lasst sie vor die Wand fahren. Sie sollte nicht existieren. Die Republik ist eine herrschende Klasse, es ist eine parasitäre Verbrecherbande aus Schlägern und Dieben, das ist alles. Und ich weiß dass es immer noch einen Haufen Leute gibt, die die Verfassung als irgendwas Magisches und Aufrichtiges bewundern, aber die Republik ist nur eine etwas anders organisierte Form eines bösartigen, parasitären, unmoralischen Monsters aus Kontrollfreaks. Es macht keinen Unterschied.

Wenn ihr mir nicht glaubt und ein paar Beispiele für „Republiken“ aus der Geschichte braucht, „demokratische Republiken“, „repräsentative demokratische Republiken“, versucht es mal mit der Volksrepublik China, die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, die Demokratische Volksrepublik Korea – also Nordkorea –, die Weimarer Republik, aus dem das Nazi-Imperium entstanden ist. Sieht es wirklich so aus, als würden Republiken zu Glückseeligkeit, Frieden und Gerechtigkeit führen?

Also wenn ihr eine Republik zurückhaben wollt, wollt ihr das Problem zurückhaben. Versucht nicht, etwas zurückzuholen, das einfach nicht weiterhilft. Und das führt mich nochmal zurück zur Tatsache, dass die Aktivisten nicht verstehen, worin das Problem besteht. Sie verstehen nicht, dass Autoritarismus das Problem ist. Das Problem ist nicht und es war es auch nie, wer auf dem Thron sitzt. Das Problem war und ist und wird es so lange sein, bis die Menschen aufwachen, dass es einen Thron gibt, der besetzt wird.

Solange ihr euch nur fragt, was eine Regierung tun soll, wer sie bilden soll und welche Form sie haben soll, beschäftigt ihr euch nur mit den Kleinigkeiten und ignoriert den Kern des Problems: den Glauben an eine Regierung und an Autoritarismus. Jeder Aktivismus, der sich nicht auf diesen Glauben konzentriert, der sich nicht gegen diese Wurzel richtet ist schlimmer als nutzlos.

Er richtet sich nicht nur auf Symptome, die sich sowieso nicht ändern werden, sondern er verstärkt im Geist der Zuhörer und Zuschauer, dass dieser Kern nicht angetastet werden darf – die angebliche Selbstverständlichkeit, dass wir eine Regierung brauchen. Viele Leute sagen komischerweise: „Ich bin total gegen die Regierung, ich bin 100% gegen die Regierung, weil die Regierung an sich unmoralisch, bösartig und zerstörerisch ist; der Glaube daran ist das Gegenteil von Menschlichkeit, also ich bin gegen die Regierung.“

Und ich finde es lustig, dass andere Gruppen damit beschuldigt werden, die nur eine andere Geschmacksrichtung der herrschenden Klasse haben wollen und beide Gruppen sagen: „Wir sind nicht gegen die Regierung. Wir wollen nur, dass die richtigen …“ und ich denke mir „Okay, also seid ihr nicht für Freiheit, für Moral, ihr habt keine Ahnung, worin das eigentliche Problem besteht und deshalb habt ihr auch keine Chance, es in Ordnung zu bringen.“

Und viele Leute sagen: „Wir haben die gleichen Ziele und die gleichen Feinde. Also können wir die kleinen Details einfach ignorieren, bei denen wir nicht übereinstimmen?“ Das ist kein Detail einer fehlenden Übereinstimmung! Das ist das einzige, worauf es ankommt! Gehörst du dir selbst oder bist du das Eigentum einer herrschenden Klasse? Es ist mir egal, ob es eine begrenzte herrschende Klasse ist, oder eine demokratische oder eine republikanische oder eine verfassungsmäßige. Wenn es da irgendwas gibt, was das Recht dazu hat, dir dein Geld wegzunehmen und dich herumzukommandieren, dann bist du dessen Eigentum. Dann bist du nicht frei und du gehörst nicht dir selbst.

Und wenn du das nachvollziehen kannst, warum glaubst du dann immer noch, dass du frei bist? Du bist nicht einmal in deinem eigenen Kopf frei. Also wenn die Leute sagen: „Na die kleinen Unterschiede …“ Das sind keine kleinen Unterschiede. Entweder du glaubst, dass es jemanden geben kann, der das Recht hat, dich zu beherrschen oder du hast verstanden, dass es so etwas nicht geben kann. Du hast das Konzept des Eigentums an dir selbst und das Nichtaggressionsprinzip verstanden und auch die logischen Konsequenzen daraus – also dass eine legitime Regierung jeder Logik widerspricht. So etwas kann nicht existieren.

Es ist nicht nur unmöglich so etwas zu erhalten, es ist auch aus theoretischen und konzeptionellen Gründen geisteskrank zu glauben, dass es eine moralische und rechtschaffene Verbrecherbande aus Schlägern und Dieben gibt, die das Recht dazu hat, andere herumzukommandieren und deren Geld wegzunehmen. Es funktioniert einfach nicht. Weder philosophisch, noch moralisch oder logisch.

Also alle Aktivisten, die an den Symptomen herumdoktern – ich kann euch verstehen, aber es führt zu nichts Gutem. Wenn ihr nicht versteht, was das Kernproblem ist, dann werdet ihr genau das erreichen, was viele Aktivisten und Protestler auf der Welt seit hunderten von Jahren erreicht haben – nämlich gar nichts. Mit dem Kopf gegen die Wand rennen und schreien und herumheulen und nichts erreichen.

Okay, ich habe gesagt, dass ich das ganze „Warum es Hoffnung gibt“ nennen wollte. Bis jetzt hatten wir nicht gerade viel Hoffnung in diesem Video.

Ich sage euch, warum es Hoffnung gibt. Es gibt richtig viele Leute, die das eigentliche Problem erkannt haben. Sie erkennen die Ursache für die ganzen Symptome. Die Kriegstreiberei, die faschistischen Polizeikontrollen, der Krieg gegen die Drogen, die Verhaftungen, alle die kleinen Symptome, auf die die Leute mit dem Finger zeigen und sagen: „Das ist schlecht, das ist schlecht, das ist schlecht,“ Polizeigewalt und das alles.

Es gibt sehr viele Menschen, tausende und abertausende, die das eigentliche Problem erkennen. Und das ist der Glaube an die Regierung und an eine Autorität. Wenn ihr das nicht in Ordnung bringt, bringt ihr gar nichts in Ordnung. Wenn ihr nur darüber streitet, was ihr hofft, das euch eure Herren erzählen werden oder wer eure Herren sein werden, seid ihr verloren.

Aber es gibt einen Haufen Leute, die aufwachen. Und viele von ihnen erzählen mir: „Naja, es ist mir etwas peinlich, das ich bis jetzt so viel Zeit und Energie für Aktivismus verschwendet habe“ – und das trifft auch für mich zu, ich schaue zurück und denke mir „Was zum Teufel habe ich da gemacht?“ So naiv, zu glauben, dass es darauf ankommt. Und das alles nur, weil ich das eigentliche Problem nicht erkannt habe. Ich habe die Symptome gesehen, ich wollte was dagegen tun, aber ich habe mir nicht die Zeit genommen, zu verstehen, was die Ursache war. Es ist der Aberglaube des Etatismus.

Die Gute Nachricht ist, dass es viele viele Leute gibt, die aufwachen und beginnen, das eigentliche Problem zu verstehen. Fast jeden Tag bekomme ich E-Mails und die Leute schreiben mir: „Ich war jahrelang ein Konstitutionalist“ oder andere sagen auch Sozialist, Demokrat, Republikaner oder was auch immer und sie sagen: „Wow, ich habe endlich verstanden, wie betrügerisch das gesamte politische Spiel eigentlich ist!“ Nur nebenbei: Viele Menschen schicken mir solche Mails, nachdem sie mein Buch „The Most Dangerous Superstition“ gelesen haben. Sie sagen: „Ich wusste das irgendwie schon, es war schon immer in meinem Kopf, aber es war noch nicht richtig klar.“

Genau das ist der Grund ist, warum ich das Buch geschrieben habe. Weil ich selbst diese Entwicklung durchgemacht habe und langsam dem Etatismus entkommen bin. Wenn ihr das Konzept des Selbsteigentums zu verstehen beginnt, schaut ihr zurück und denkt: „Wie kann es sein, dass ich das nicht wusste? Irgendwie musste ich das doch wissen, das ist doch alles so offensichtlich!“

Fast täglich bekomme ich E-Mails von Leuten, die Absatz für Absatz lesen und verstehen und sagen: „Verdammt nochmal, auf einmal sehe ich die Welt aus einer ganz anderen Perspektive und auf einmal erkenne ich, dass die ganzen politischen Spielchen nicht nur vollkommen bedeutungslos sind, sondern die Lüge in meinem eigenen Kopf und in den Köpfen anderer „politischer Aktivisten“ auch noch verstärken.“

Die Menschen wachen massenweise auf und für mich ist es das Schönste auf der Welt, E-Mails von diesen Menschen zu bekommen. Also wenn dir das passiert, dann schreibe mir eine E-Mail. Ich antworte nicht auf alles, aber ich liebe es, Mails zu lesen, in denen steht: „Verdammte Axt, so etwas wie eine Regierung oder Autorität gibt es nicht. Wir gehören alle uns selbst. Vielleicht sollten wir damit anfangen, uns auch entsprechend zu verhalten.“ Und das passiert überall.

Das Schöne daran ist, dass wenn ein bestimmter Punkt erreicht ist, kommt die Lösung ganz von selbst. Das klingt komisch, aber wenn jeder in diesem Land, außer die Regierung und ihre Söldner, die Regierung so sehen würde, wie sie ist, würde sie am nächsten Tag nicht mehr existieren. Dazu bräuchte es keine Revolution und keinen Umsturz. Wenn 300 Millionen Menschen sagen: „Wir geben euch unser Geld nicht mehr und wir gehorchen euch nicht mehr, weil wir kapiert haben, dass dieses Spiel totaler Blödsinn ist. Dieses riesige hinterhältige Spiel, das ihr mit uns treibt nur dazu dient, euch scheinbar das Recht zu geben, uns zu beherrschen. Wir haben verstanden, dass ihr alle nur Psychos seid, irgendwelche soziopathischen Parasiten, wir wollen einfach nichts mehr mit euch zu tun haben. Wir haben es nicht nötig, einen Umsturz zu veranstalten oder zu wählen oder Wahlkampf zu machen. Wir ignorieren euch einfach. Wer seid ihr schon?“

Und wenn die Leute das merken, dann kapieren sie, dass die Tatsache, dass wir sie für bedeutend halten, der einzige Grund dafür ist, dass diese Banditen in D.C. bedeutend sind. In unserer Vorstellung ist die Autorität real. Darum geht es in meinem Video „Der winzige Punkt“. Wenn ihr die Zahlenverhältnisse anschaut, dann wird klar, dass ihre gesamte Macht nur von der Wahrnehmung ihrer Opfer kommt. Wenn die Opfer damit aufhören, sich vorzustellen, dass sie vor diesem winzigen kleinen Punkt aus Lügnern und Verbrechern auf die Knie fallen müssen, haben wir es geschafft. Keine Revolution nötig, keine Gewalt, Plopp und wir haben es geschafft. Es ist vorbei.

Und ich denke, dass wir in diese Richtung marschieren, weil ich tausende von Menschen sehe, die aufwachen und sagen: „Wow, jetzt endlich verstehe ich das. Bisher habe ich das nur ansatzweise verstanden. Und jetzt habe ich es wirklich verstanden.“ Und das ist unumkehrbar. Menschen, die das erkennen, sagen nicht eine Woche später: „Najaa, ich glaube doch an die Regierung.“ Das passiert einfach nicht.

Meistens wenn ich Nachrichten bekomme, in denen die Leute sagen: „Wow, ich verstehe jetzt endlich, was Freiheit wirklich ist und was Selbsteigentum bedeutet!“ Dann erzählen sie es danach fast immer anderen Leuten. Das ist was, was nicht aufzuhalten ist. Ich kann kein exaktes Datum nennen, aber das wird sich verbreiten bis die Sekte der Etatisten umfällt und für immer verschwindet.

Also an alle Aktivisten: Ich flehe euch an, nehmt euch eine kurze Auszeit von eurem Protest oder eurer Veranstaltung oder was auch immer ihr als nächstes vorhabt, um euer eigenes Glaubenssystem sorgfältig zu prüfen. Also was ihr über die Regierung, über Autorität, über die Gesetze und diesen ganzen Quatsch denkt. Weil ihr möglicherweise herausfinden werdet – so wie es bereits tausende von Menschen herausgefunden haben, die ich getroffen habe -, dass euer unvollständiges Verständnis von der Realität dazu führt, dass ihr haufenweise Zeit und Energie und Geld für etwas verschwendet, das zu nichts Gutem führt.

Und die gute Nachricht lautet: Wenn genug Menschen die Wahrheit verstehen, braucht es kaum Zeit und Energie und Geld, damit alles in Ordnung kommt. Ihr braucht auch nichts mit der herrschenden Klasse machen. Ihr müsst sie nicht abwählen, ihr müsst sie nicht absetzen, ihr müsst überhaupt nichts tun, außer sie einfach zu ignorieren.

Dass sich 300 Millionen Menschen dazu entschließen, etwas zu ignorieren, ist eine ziemlich einfache Sache. Sich einfach nicht mehr um die Parasiten in Washington zu kümmern, dafür braucht es keinerlei Anstrengung. Aber damit das passieren kann, dazu müssen die Menschen die Ursache des Problems kennen. Es werden immer mehr und ich wünsche mir für jeden, der für Gerechtigkeit kämpft, dass er eine Pause einlegt, um herauszufinden, ob das, wogegen er kämpft, nur ein Symptom ist oder die tatsächliche Ursache und ob er aus Versehen das Monster unterstützt, gegen das er kämpfen will.

Original:
Larken Rose – Offending Activists

Der Mäusestaat

Jemand (Autor unbekannt) hat eine Fabel geschrieben, die zeigt, welch tragische Verkettung Mäuse zu Etatisten macht.

Es war einmal in einem fernen Land eine Kolonie von einigen Fledermäusen, die gemeinsam mit einer wesentlich größeren Kolonie von Feldmäusen einen Staat gegründet hatten. Das war gut, denn gemeinsam ist man stark. Stark gegen Bedrohungen und Fressfeinde, stark bei der gemeinsamen Nahrungssuche und -lagerung, und bei vielem mehr. Doch schon nach kurzer Zeit regte sich in den Feldmäusen der Neid. Die Fledermäuse konnten fliegen, sie selber nicht. War das nicht ungerecht? Eine besonders kluge Feldmaus stellte die Frage, die niemand mehr vergessen sollte: »Wer sagt uns, daß die Fledermäuse alles, was sie erbeuten, auch nach Hause bringen? Daß sie nicht irgendwo außerhalb unseres Staates weitere Lager einrichten und einen Teil der Beute vor uns verstecken? Wir können nicht fliegen, haben also auch keine Möglichkeit, das zu kontrollieren. Sollten in einem Staat nicht alle gleich sein?« Je mehr die Feldmäuse über diese Möglichkeit nachdachten, desto schlüssiger schien es ihnen. Ja, man sollte etwas gegen diese Ungleichheit tun. Sie beriefen zusammen mit den Fledermäusen einen Rat ein, und brachten das Thema zur Sprache. Natürlich wehrten sich die Fledermäuse gegen solche aus der Luft gegriffenen Beschuldigungen. Sie hatten nie auch nur im Traum daran gedacht, das zu tun, was ihnen hier vorgeworfen wurde. »Niemand wirft euch etwas vor, liebe Fledermäuse. Wir sagen doch nur, daß die Möglichkeit besteht. Es gibt keine Garantie, daß ihr es nicht tut. Nicht einmal ihr selber könnt garantieren, daß nicht der eine oder andere es heimlich tut. Ihr seid ja nicht immer zusammen.« stellte die kluge Feldmaus klar. Hmmm, das leuchtete irgendwie ein. Die Fledermäuse konnten dieses Mißtrauen schon nachvollziehen, auch wenn sie es als unberechtigt sahen. Ihnen war klar, daß die Feldmäuse eine völlig andere (eingeschränkte) Perspektive hatten und das rechtfertigte wohl so eine Sichtweise. »Wir haben nichts zu verbergen«, sagten sich die Fledermäuse. »Ihr könnt uns gerne kontrollieren, wenn ihr dann beruhigter seid.« »Ja, wie denn? wir können ja nicht fliegen!« Nach langer Debatte wurde vorgeschlagen, die Fledermäuse sollen nicht mehr fliegen. Im Sinne der Chancengleichheit. Schließlich ist fliegen für die Nahrungssammlung nicht zwingend nötig, es geht auch ohne. Die Feldmäuse lieferten ja täglich den Beweis dafür. Diese Fliegerei schürt nur Neid und Mißtrauen, und darum sollte man sie im Sinne der Allgemeinheit abschaffen. Die Flügel stutzen, was eigentlich die effektivste Möglichkeit wäre, war dann doch zu inmausan, das sahen alle ein. Also »einigte« man sich auf einen Kompromiß: Den Fledermäusen wurden die Flügel freiwillig am Rücken festgebunden. Man einigte sich ganz demokratisch darauf, in einer allgemeinen, geheimen und freien Wahl. Schließlich lebte man ja in einer Demokratie. Und da sie ja mit abstimmen durften, beugten sich die Fledermäuse dem Willen der Mehrheit. Da die Wahl ja geheim war, könnte es ja sein, daß auch etliche von ihnen dafür gestimmt haben. So wurden den Fledermäusen also die Flügel auf dem Rücken festgebunden. Da das Laufen auf der Erde aber nicht ihre Art der Fortbewegung war, fiel es ihnen ziemlich schwer, weiter produktiv zu sein. Aber sie strengten sich an, schließlich wollten sie ja auch ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten. Nach 1 – 2 Generationen, als alle merkten, daß die Fledermäuse immer noch viel unproduktiver waren als die Feldmäuse, beschlossen die Mäuse, an diesem Problem zu arbeiten. Allen war klar, daß es kein böser Wille oder Faulheit der Fledermäuse war. Sie konnten es einfach nicht besser. Also erfanden sie etwas ganz Tolles: Schulen. Damit jeder lernte, wie man richtig läuft und richtig arbeitet. Und damit jeder, der Flügel hatte, auch lernte, wie man diese richtig und effektiv auf dem Rücken zusamenbindet. Es gibt nämlich Flügelbindemethoden, die den Bewegungsablauf mehr behindern als andere. Das kommt vor allem dann vor, wenn die Flügel zu locker gebunden sind. Und damit auch wirklich alle das lernen konnten, führte man eine allgemeine Schulpflicht ein, in der nur bestimmte Mäuse, meistens Feldmäuse, den Unterricht führten. Es war ja erwiesen, daß die Feldmäuse in der Nahrungssuche viel produktiver waren. Also mußte man ja von ihnen lernen. Wie kann eine Fledermaus, die selber langsam und uneffektiv ist, anderen schnelles und effektives Laufen und Arbeiten beibringen? Eben, geht nicht. Das System funktionierte ganz gut, und die Fledermäuse wurden tatsächlich ein kleines wenig schneller und produktiver. Wenn man lange genug übt, stellten alle fest, und die richtigen Methoden lernt und anwendet, wird man immer besser. Jedem Fledermausbaby wurde von Geburt an beigebracht, die Flügel richtig festzubinden (die Eltern hatten es ja mittlerweile in der Schule gelernt) und nach den ersten gelungenen aber uneffektiven Schritten kam es dann in die Schule, wo es das Ganze richtig lernte, damit es im Leben zurechtkommt. Einige allzu neugierige Fledermauskinder fragten zwar, warum sie diese komischen Auswüchse am Rücken hatten, und man erklärte ihnen geduldig, daß das eine Mißbildung sei, die das Leben erschwert. Darum muß man sie auch zusammenbinden. Tut man es nicht, falten sich diese Mißbildungen richtig auf, und aufgrund des größeren Widerstands durch die größere Fläche, würde das Laufen noch viel viel schwerer. Das leuchtete ein. Aber nicht allen. Immer wieder mal kam die eine oder andere Fledermaus auf die Idee, daß diese Mißbildungen vielleicht auch einen Vorteil bringen. Sie experimentierten damit herum, ließen sie eine Zeit lang offen. Sind die Flügel aber nicht trainiert, funktionieren sie auch nicht, wie sie es normalerweise tun. Im Gegenteil, durch das lange Zusammenbinden sind sie eingerostet, die Muskeln geschwächt, die Sehnen verkürzt. So kam es, daß sich durch diese Versuche nur die bereits gelernte Theorie bestätigte, daß offen getragene Mißbildungen nur uneffektiver machen, wegen dem höheren Widerstand, der größeren Fläche, etc., und man viel schwerer lief. Jeder durfte es ein, zwei mal probieren, um dann einzusehen, daß es wirklich so war. Wer es aber öfter probierte, und dabei erwischt wurde, auf den prasselten von allen Seiten Vorwürfe ein: er ist gemeinschaftsschädigend, ein böser Egoist, er hat nur Dummheiten im Kopf, die zu Lasten der Allgemeinheit gehen. Diese Vorwürfe kamen gleichermaßen von Feldmäusen und von Fledermäusen, die inzwischen ja selber lange genug gelernt hatten, daß die Mißbildungen am Rücken nur zusammengebunden ertragen werden können. Wenn diese Vorwürfe nicht ausreichten, um den Deliquenten zur Besinnung zu bringen, wurden ihm die Flügel vom Kollektiv durch Zwang zusammengebunden und er wurde von allen Seiten mißtrauisch beäugt, um jeden weiteren Aufbindeversuch zu unterbinden. Natürlich nur zu seinem Besten. Man wollte ihn nur heilen. Bei ganz Unverbesserlichen wurde erst mit Nahrungsentzug gearbeitet, um sie zur Besinnung zu bringen, später, wenn das auch nicht half (wass eher selten der Fall war) sperrte man sie eben für eine bestimmte Zeit in sehr enge Käfige ein. Da konnten sie auch mit aufgebundenen Flügeln selbige nicht ausbreiten, geschweige denn benutzen. Irgendwann sahen sie ihr Fehlverhalten und die Sinnlosigkeit ihres Tuns ein und gaben auf. Dann wurden sie wieder in die Gemeinschaft aufgenommen, standen aber noch lange Zeit unter Beobachtung, ob sie auch wirklich einsichtig waren. Nur einige, ganz ganz wenige, fanden heraus, wofür diese Mißbildungen am Rücken gut waren. Sie waren schlau genug, sie nur aufzubinden und mit ihnen zu spielen, wenn niemand sonst in der Nähe war. Ungesehen und heimlich lernten sie die Flügel wieder zu benutzen, weil sie sie trainierten. Diese wenigen konnten fliegen. Sie kannten die Wahrheit. Und alles in ihnen schrie danach, sie zu verbreiten: »Hey, diese Mißbildungen erheben uns über die Feldmäuse. Sie helfen uns, alles aus einer anderen, höheren Perspektive zu sehen. Und sie machen uns so wahnsinnig produktiv und geschickt. Wacht auf! Versucht es. Es braucht eine Zeit, bis ihr wieder damit umgehen lernt, aber dann kann euch nichts mehr aufhalten!« Was aber war nun mit einer erwachten Fledermaus, die diese Wahrheit verbreitete? Niemand nahm sie ernst. Erst recht nicht die anderen Fledermäuse. Die hatten es ja ein – zwei mal versucht mit offenen Flügeln rumzulaufen und gesehen, daß es sie nur behindert. Aus Erfahrung gelernt, sozusagen. Außerdem merkten sie, daß derjenige, der diese Wahrheit verbreitete, in der letzten Zeit extrem unproduktiv war. Er war es, weil er ja viel Zeit damit verbrachte, heimlich seine Flügel zu trainieren. Aber die anderen sahen nur die Unproduktivität. Also stimmte es doch, was man ihnen in der Schule beigebracht hatte: Wer mit offenen Flügeln rumrennt, ist einfach unproduktiv. Selbst, wenn er es heimlich tut. Und bevor er den anderen zeigen konnte, wie Fliegen geht, daß er es wirklich kann, wurde er verhaftet und für lange Zeit bei magerer Kost in einen engen Käfig gesteckt. So lange, bis die Muskeln in den Flügeln wieder schwanden, die Sehnen sich wieder verkürzten und Fliegen wieder unmöglich wurde. Wurde er dann irgendwann freigelassen, hatte er meistens kein Bedarf mehr nach Freiheit, denn die hatte ihn viele Jahre bitterster Gefangenschaft und Not gekostet. Was hatte sie gebracht? Nichts, rein gar nichts. Gleichzeitig nutzte er den anderen als Warnung. Wer seine Zeit mit unproduktiven und blödsinnigen Rückenmißbildungstrainigsaktionen verbringt, landet im Käfig. Seht ihn euch an. Seht ihn euch gut an. Wollt ihr so enden? Das wirkte. Die einzigen Fledermäuse, die minimale Anzahl, die wußten, die fliegen konnten, die die Wahrheit kannten – nun, die konnten es nur heimlich tun, wenn niemand sie beobachtete. Und immer mit der Angst, dabei erwischt zu werden. Was aber brachte es ihnen? Sie konnten zwar die Freiheit fühlen, sie konnten alles aus einer anderen Perspektive sehen, und sie konnten sich sogar zusätzlich Nahrung ganz nach ihrem Belieben suchen und Vorräte anlegen. Sie konnten ein Leben in Freiheit führen, aber auch in Einsamkeit. Niemals durften sie darüber mit anderen reden, auch und erst recht nicht mit anderen Fledermäusen. Nicht mit Freunden, nicht einmal mit der eigenen Familie. Zu tief saß es in aller Köpfen, daß das Öffnen der Rückenmißbildungen unproduktiv war. Und auch die Angst vor der Bestrafung, die man bei anderen gesehen hatte, die die Mißbildungen längere Zeit offen trugen. Sie konnten aus dem Mäusestaat wegfliegen und sich einen anderen Lebensraum suchen. Aber sie stellten fest, daß sich überall solche Kolonien und Staaten gebildet hatten. Und pro Staat gab es einen, höchstens zwei, die fliegen konnten, auch heimlich und immer in Angst vor dem Entdecktwerden. Freiheit bedeutet Einsamkeit. Da Fledermäuse aber sehr soziale Tiere sind, brauchten sie ihre Familien, Freunde, Nachbarn in dem Staat. Sie brauchten Gesellschaft. Einsam leben war schlimmer, als unfrei zu sein. Darum lebten die meisten einfach weiter mit zusammengebundenen Flügeln, um nicht alleine zu sein. Und nur manchmal und heimlich flogen sie und genossen das Gefühl der Freiheit und des Wissens. Verbittert durch den Schmerz, dieses Wissen mit niemandem teilen zu dürfen. Außer mit anderen freien Fledermäusen, die aber weit, weit weg sind. Und immer in Angst, entdeckt und bestraft zu werden. Ja, so manche dieser Fledermäuse hat sich schon oft gewünscht, die Freiheit nicht zu kennen, einfach »normal« zu leben wie die anderen. Denn solches Wissen belastet ungemein, wenn man es nicht teilen kann.

Wer jemals in den Palast gesehen hat und seine geheimen Kammern und prächtigen Säle bis in den letzten Winkel erforscht hat, kann sich nie mehr mit dem Vorhof zufrieden geben.

Gruß an die Etatisten

Der Freiheitliche